BASIS als Ausbildungsort für Menschen mit Behinderung: A., 23 Jahre

A.wohnt mit seiner Familie in Athirampuzha, der Großgemeinde, zu der auch Sreekandamangalam gehört. Er ist Epileptiker, seine Schulbildung war eher eine Grundausbildung weitgehend auf Sonderschulniveau. Bei unserem Projektpartner erlernte A. eine selbstständige Arbeit, mit der er jetzt sein eigenes Brot verdient.

Typisch für die indische Gesellschaft ist, dass Menschen mit Behinderungen größtenteils im eigenen Haus gleichsam „weggesperrt“ werden. Sie langweilen sich, und sofern sie dazu in der Lage sind, spielen sie viel mit dem Handy oder streunen durch die Gassen und haben oftmals keinen guten Umgang.

Eine der ganz elementaren Anliegen von BASIS-programs war es von Beginn an, unterprivilegierten Menschen – Frauen, Menschen aus den untersten Kasten, Tagelöhnern oder eben Menschen mit Behinderung – durch Wertschätzung ihrer Person mittels einer geeigneten Ausbildung zu befähigen, eigenständig Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen und somit dem eigenen Leben einen Sinn zu geben.

  1. verhielt sich zu Beginn seiner Ausbildungszeit völlig unstrukturiert und selbstbezogen. Er redete pausenlos, hatte keine Ausdauer bei seinen Tätigkeiten und war nahezu süchtig nach handyspielen. Darüber hinaus fehlte es ihm grundsätzlich an Alltagsroutinen: die Körperpflege war mangelhaft, er aß unkontrolliert über den Tag verteilt und zusätzlich heimlich Süßigkeiten in großen Mengen. Er reagierte auf alles sehr empfindlich und konnte jede Art von Kritik nicht annehmen. Rückmeldungen über sein Verhalten ärgerten ihn zunächst.

Die Betreuung von A. musste umfassend organisiert werden.

Einerseits erhielt A. ein gezieltes berufliches Training: Er ist sehr tierlieb und hat uns sein Interesse für Tiere vorgetragen. Gerne wollte er mit Tieren arbeiten. Unser Tierpfleger Soman wurde beauftragt ihn zu betreuen und in der Tierpflege und Nutztierhaltung auszubilden. Morgens und nachmittags half A. im Stall, bei der Säuberung, Fütterung und Pflege der Tiere und Stallungen. Außerdem ist A. ein großer Hundefreund und ging zwei Mal am Tag mit den Hunden Gassi. Dabei gewann er auch Überblick im Gelände von BASIS und in der näheren Umgebung. Er lernte, erntereife Früchte zu sammeln und lernte angeln.

Zweimal täglich hatte er die Aufgabe, den Mitarbeitenden für ihre Pausen den Klein-Imbiss und Kräutertee zu bringen. Langsam erkannte er dies als seine eigene Verantwortung und übte daran auch Pünktlichkeit.

Zusätzlich brauchte er aber ein sehr intensives persönliches Coaching:

  • Struktur im Tag: Klare Tagesabläufe, kein Handy bei der Arbeit (er darf von Festnetz im Büro seine Familie anrufen), Einhalten des Mittagessens sowie der Mittagspausen incl. einer verpflichtenden Ruhephase
  • Persönliche Entwicklung: Tägliche persönliche Gespräche, Absprachen zu seinen allgemeinen Aufgaben und Tätigkeiten – Rückmeldung über sein Verhalten (positiv und negativ), Konsequenzen wie manchmal Fernsehverbot – Training darin, wie man sich innerhalb seiner eigenen Familie, innerhalb von BASIS und Fremden gegenüber benimmt und entschuldigt, wenn man etwas falsch macht – Es wurde ein Tagebuch als Entwicklungsbericht geführt. Der Bericht wurde bei jedem Hausbesuch von A.s Eltern unterschrieben und nachverfolgt.
  • Ernährung: Für seine Ernährung, die Regelmäßigkeit seiner Mahlzeiten und die regelmäßige Einnahme von Medikamenten incl. dem Gesamtüberblick über seine Medikamente wurde genau gekümmert.
  • Hygiene: Für Körper- und Kleider-Hygiene bekam er ebenfalls Training um zu lernen, wie man sich diese Hygienemaßnahmen zur Gewohnheit werden lässt und beibehält. Durch seine regelmäßige Aufgabe und durch Zusammenarbeit mit anderen Menschen entfaltete und entwickelte er sich.

Wir merkten, dass A. sich durch seine regelmäßige Aufgabe und durch Zusammenarbeit mit anderen Menschen entfaltete und in Richtung einer neuen Normalität entwickelte.

Natürlich ist nicht alles einfach gewesen und auch nicht alles glatt gegangen. Es gab z.B. einen medizinischen Zwischenfall, der zur sofortigen Einweisung in ein Krankenhaus geführt hat. Die Geduld aller an diesem Ausbildungsprozess Beteiligten ist manchmal sehr strapaziert worden.

Die klare Haltung unserer Projektpartner war: wir fordern von Dir Einsatz und wir geben dir dabei die Unterstützung, die du brauchst – diese Haltung hat Großes bewirkt! A. ist nach 7 Monaten Training jetzt ein arbeitsfähiger junger Mann geworden! Er hat sich Alltagsroutinen angeeignet von Mund- und Körperhygiene bis zur Tagesstruktur. Er übernimmt Verantwortung für sich und zunehmend besonders auch für die konsequente, regelmäßige, pünktliche und peinlich genaue Einnahme seiner Medikamente. A. übernimmt unter Anleitung Verantwortung für die ihm übertragenen Aufgaben. Insgesamt ist seine Arbeitsausdauer angestiegen, sein Redefluss ist reduziert und er kann konzentrierter arbeiten. Für seine Arbeit mit den Tieren gilt: A. unterscheidet die verschiedenen Arten unseres Milchviehs, wie jeweils zu melken, zu waschen und zu pflegen ist. A. bereitet das jeweilige Futter für die einzelnen Tiere und hat Routine bei der Fütterung. A. hält Mengen und Zeiten der Tierfütterung ein.  Dies alles hat er inzwischen erlernt.

Durch Vermittlung hat A. inzwischen eine feste Arbeitsstelle gefunden. Er ist in einem Milchbetrieb in der Nähe der Wohnung seiner Eltern angestellt. Er kann zu Hause wohnen und zum Mittagessen nach Hause gehen. Durch die Arbeit hat sein Leben Sinn und Ziel bekommen und A. ist insgesamt ausgeglichener und zufriedener. Wir wünschen ihm alles Gute auf seinem weiteren Lebensweg!

Der FIH hat die Betreuung und Entwicklung von A. begleitet und finanziell unterstützt. Neben den Krankenhauskosten und den Kosten für die täglichen Medikamente fielen Kosten an für Unterbringung (er hatte in BASIS ein Zimmer mit einem kleinen Fernseher) und Mahlzeiten, Bekleidung und Artikel für die Körperhygiene. Weiterhin sind wir vom Verein der Meinung, dass es auch eine kleine Zusatzprämie für alle die Mitarbeiter in BASIS geben soll, die sich so intensiv um A. gekümmert haben. Wir möchten es den Projektinitiatoren überlassen, für einen guten Ausgleich zu sorgen, ohne die innere Harmonie in BASIS zu irritieren.